„Der Weg ist das Ziel“

Theatergruppe interpretiert Eichendorffs „Taugenichts“

 

Spielleitung: Heinz Bergmann

 

 

(sag) „Da muss man schon weit laufen, um so eine Schulaufführung zu sehen“, meinte Landtagsabgeordneter Bernd Sibler nach der umjubelten Premiere der Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ frei nach Joseph von Eichendorff, gespielt von der Theatergruppe der Mittelstufe. „So ein sagenhaftes Engagement, so eine deutlich Artikulation und pfiffige Inszenierung, das ist schon mehr als bemerkenswert“, schwärmte er gleich weiter. Als Mitglied des Fördervereins hat Sibler einen „guten Draht“ zur Schule; doch nicht nur bei ihm sind deren kulturelle „Events“ recht beliebt. Nach drei Vormittags-Aufführungen für die Mitschülerinnen war der Theatersaal an den beiden Abendvorstellungen am 7. bzw. 12. Mai bis auf den letzten Platz besetzt. Schulleiterin Aloisia Bauer zeigte sich bei ihrer Begrüßung sichtlich erfreut über die große Zuschauerschar aus Politik, Kirche und den benachbarten Schulen.


Ob die Erleuchtung im Schlaf kommen wird? Träumende Taugenichtse auf gemeinsamer Glückssuche.

 

 

Während sich das Thema „Langeweile“ auf der Bühne wie ein roter Faden durch drei Akte zog, erlebten die amüsierten Besucher 23 kurzweilige, abwechslungsreiche Szenen. Reibungslos und zügig wandelt sich immer wieder das Bühnenbild. Alle Schauspielerinnen treten hier in Mehrfachrollen auf, wechseln dementsprechend rasant ihre Kleider, legen sich mit vollem Elan in ihre Rollen. So wird der Zuschauer auf die spannende Wanderschaft des Taugenichts mitgenommen. Viktoria Seidl spielt herrlich leicht und fröhlich diesen anspruchslosen, naturverbundenen Vagabunden, der sich offen und unvoreingenommen für alles Neue zeigt. Fremde Menschen, Stätte, Tiere und Situationen lernt er auf der Suche nach dem Glück kennen. Doch ist nicht der Weg selbst das Ziel, nennt sich unser Taugenichts aus seiner Unbeschertheit heraus nicht zurecht einfach „Glückspilz“? Sämtliche Arbeits- und Lebenszwänge hat er doch in der väterlichen Mühle zurückgelassen; frei und neugierig begleitet er in fröhlicher Kutschenfahrt eine Gruppe adliger Damen. Auf Schloss Schönbrunn lernt er nicht nur die gepflegte Langeweile der Schlossdamen (Sabine Wittmann und Lena Egner in feinster Wiener Dialektik) und die Schlagfertigkeit der pfiffigen Kammerzofe (Katharina Hackl) kennen, sondern auch seine scheinbar unerreichbare Liebe Aurelie, zart und hold gespielt von Doris Bauer. Bis der Glückspilz seine vermeintliche Gräfin, die sich später als Nichte des Portiers entpuppt, zur Frau bekommt, führt uns der Weg allerdings noch bis ins ferne Rom.
Für Lacher sorgt stets das Dreamteam Sonja Ebenböck und Michele Gröschel, die mit vollem Körpereinsatz ihren Spionagejob ausleben. Schließlich sind sie in geheimer Mission beauftragt, ein fliehendes Liebespärchen unversehrt nach Hause ins Schloss zu bringen. Und auch Jenny Wasem begeistert in der Rolle des völlig freien, losgelösten Vogels im bunten Federkleid als flatternde Begleiterin unseres Taugenichts. Während auf der Bühne Doppelhochzeit zelebriert wird, feiert das Publikum mit begeistertem Applaus die Schauspielerinnen, die Technikverantwortlichen und ihren engagierten Spielleiter und Lehrer Heinz Bergmann.. Dieser verabschiedete sich sichtlich gerührt und mit berichtigtem Stolz von den jahrelang treu mitspielenden Zehntklässlerinnen, deren letzte Vorstellung von einem Hauch Melancholie begleitet wurde. Der hochmotivierte Einsatz der gesamten Truppe, die durchwegs präzise Artikulation und ein „wie geschmierter“ Szenenwechsel ließen die Abende zu ansprechenden Erlebnissen werden.

Sie „taugen“ vortrefflich als Taugenichtse, Streber oder in diversen Mehrfachrollen : Corina Stieglbauer, Sabine Peter, Julia Stenzel, Christine Wutz, Daniela Gruber, Marnie-J. Ellmauerer, Marina Retzer, Viktoria Wallner, Tamara Zwinger, Stefanie Pechloff, Lisa Profendiner, Jennifer Ertl, Steffi Sauer.